Oktober 2017

Zu den Bildern von Vesna Bilic
 
Bang bang
Die Malerin aus der Zelle
 
sie häkelt Gesichter auf der Kippe
müde Krieger in Salomés Armen
ein Harem im Haar
schwärzelnde Petalien
 
im Knast kein Alabaster
die Stiefel aus Alabama im KofferEndFragment  ...

Juli 2017

Vorort verwortet
Freidorfer Treffen

Silbersträhnen im Festsaal

ein Sonnenkleidlächeln
ein gelüftetes
            ein zahnloses
                    markantes 
                    verwandeltes
der verbrannte Sockel in Ringelsocken                  
Großmütter in Blumenkleidern
ob sie zu den Torten stürmen
                    Fehlanzeige
sie warten auf ihre Enkelinnen
im Takt der Kapelle dreschen Münder
die Vorstadt aus Erinnerungen

kreuz und quer durch den Saal gestarrt
auf der Bank, eine Fratschlerin
die Setzlinge im Arm

in die Kreuzgasse gerannt
die Radieschen im Mistbeet vergessen
die Gartenmeilen verschüttet

wirre Locken schillerten in der Allee
deine, meine Busenfreundin
wir engelten bengelten zum Artesibrunnen
schwärmten aus durch Kaulen, feuchte Wiesen
zu den Dracheninseln
das Murmeln deiner Wasserzungen entsumpft

wälzten Stoffballen im Eckladen
designerten Couture und Kültür
gegen den Strich und den Faden

sie häkelten Vorhänge aus Maschendraht

                    kreuz und quer durch den Saal gestarrt

in der Tracht an die Wand gebeamt
Urgroßmutters Schürze umgebunden
vor die Kamera geschasst, war ich zwölf oder vierzehn

                    eine Pracht
                    von der Wand
                    in den Container
                    unterm Nagel
                    scheinbar gelächelt
                  
an diesem schwülen Nachmittag
mittendrin, eine Wortlerin an der Haltestelle
im Rausch der Präpositionen

mit den Kaffeehauskindern
Busenfreundinnen
ungestillten Tortenmündern
kleinen Brüdern
in die Elektrische gestiegen

Kirchglocken stammeln im Saal
schlagen die Wurzeln
ein Augenblick in Freidorf

auf der Suche nach verschwitzten Kindergesichtern
verpasste ich das letzte Stück Doboschtorte
umarmten mich Worte

Juni 2017

Abseits im Schlosspark ...              

Der Gleistisch gönnt sich
eine Kunstpause am Mainbogen ... 

Durch den Türkischen Pavillon wehen Zitate aus dem Bordbuch Grenzgänge.
Lesung und Klang mit der Rosenrazzia
im Türkischen Pavillon:

am Samstag, den 16 September um 15.00 und 17.00 Uhr
www.rumpenheimer-kunsttage.de

ob die Baumriesen Wegweiser sind

NACH DEM FEST im Offenbacher Haus der Stadtgeschichte
reist die Wanderausstellung 2018 nach Ulm an die Donau.
Das Eismann & Bonifer & Eismann Projekt wird 2018 im DZM-Museum gezeigt.

April 2017


... Ob die Wurst heute gelingt – also pikant, mild oder fad wird − liegt am Wettstreit von Paprika, Majoran, Knoblauch, Tageslaune und Promille. Das Durchkneten in der lauten Kulisse ist ein schweißtreibendes Fest. Allerdings werden die Ungeschickten schnell suspendiert und verjagt.


Die schweigsamen Großmütter haben sich ins allerletzte Loch verdrückt, in den Schuppen ... hier ist es still, nur die Katzen scheinen sich für den üblen Gestank zu begeistern. ...


Die milchigen Schläuche werden von Meisterhand auf die Wurstmaschine gepfropft.  Klopfen und drehen ist ein Muss, idealerweise synchron, sonst fährt die Masse buchstäblich aus der Haut.  Im Idealfall klatschen ellenlange Paprikawurstschlangen auf den nassen Tisch.

Wurstschnecken, Wortschlachten und Marillenschnaps erhitzen Kehlen und Geister ... einige Visagen entgleisen ...

(Auszug aus dem Paprikaraumschiff)


Lesung im Café Ypsilon, 30. März 2017


Vom Buchstabencafé & ArteFakten

Die Rosenrazzia flattert aus dem Donaukeller
Dichterinnen springen übern Main

die alte Berger liegt im Sterben
in jeder Kerbe ein Grundstück
und ein Seidenerbe

im Buchstabencafé scherzt der Maître
mit Ziegenkäsekapriolen
die Waitresserinnen falaffeln
von Balkanien bis Klaa Paris

 ...wo bleiben nur die Gäste

der Dauerbrenner brutzelt im Schaufenster

die mechanische Wurst

November 2016

this is america
....
vegas



am kunsthimmel 
flanieren venezianer
mit zockern und zahlern
auf straßen ohne ampeln
die wüste gibt gas

kein schluckauf in vegas


6 am
himmel reitet orange
die klapperschlangen schlafen

ich campe in wilden zeilen
trinke haikus mit halbwachen
indianern

die wimpern im schnee

.....

bye money

tragen die penner prada
die bäume pink
röhren schlittenhunde
um die ecke
zum rodeo mit scarface

tons of heloqueens
wearing trashy lashes
treffen sich zum tee
mit mischka aus bollywood



Fotos: Sigrid Katharina Eismann

September 2016

Konferenz in Temeswar
Das Banat im Blick – Wandel – Erinnerung – Identität

Sing mir ein Lied aus Nitzkydorf

Hört die Fensterrahmen knacksen
die Alten unterm Kopftuchzelt flachsen

der junge Lehrer aus Nitzkydorf
hat ein Lied komponiert
ob sich H. Müller in die Melodie
verliebt

die Pipatsch* läuft Amok

 *Klatschmohn


STRASSENWUNDE(R)

Alle fuhren mit der Straßenbahn
die Frischgeborenen
die Fratschlerinnen*
die Letzten vom Fest ...

ein Krähenschwarm donnert über den Platz
hochprozentige Ornamente baden in der Sonne
die Kornblume klebt im Porzellan
der letzte Tortenboden ist rausgeflogen

eine stumme Flut eingestiegen

*Marktfrauen


TRÜBE SPUR
die Franzosen aus Triebswetter

der Hambar* ist entstaubt
die Forscher gehen uns an die Wäsche
die Mehlwürmer ins Ohr

die Willers, die Frecôts
sitzen im Stammbaum

das  Accent Aigu
ein Banater déjà-vu

*Maisspeicher

Fotos: Sigrid Katharina Eismann

August 2016

HELSINKI
Für Sue

im Taxi ohne Gedudel
zu den Vokalen nach Töölö
sie gedeihen auf erbsengrünen Rändern
an der Haltestelle studiert Kaurismäki
die Allegorie eines Traktors

Musentango

der Promenadenpoet
weicht nicht von ihre Beinen
sie experimentiert rhythmisch arthritisch
er reicht ihr einen Becher Blaubeeren
zum Entschlacken

Am Hafen
schlafwandelt der Markt in Schatullen
Früchte stranden auf süßen Boden
die Fische sind ausgeflogen ins wellige Licht

...

eingesungen

Meeresbusen vollgelaufen
Wolken verzieht euch
Helsinki hat sich eingesungen
die Werft rappt mit rostigen Wangen
aus Untergründen strömen Retrowellen
Iggy Pop heizt ein, lachsrot und schiefer



eingeigelt hat er sich nicht
sein Geheimtipp

...


Fotos: Susanne Mantz

März 2016

Nordwestsinfonie
aus der Stadt der Vielfalt

Leerstände sprechen Bände
das ausgelaugte Shopping Center
braucht Poesie

aus den Schließfächern der Stadt
strömen Farben im Balkanon

die Rolltreppe ist sprachlos

Gastarbeiter & Dichter

Es regnet in Rüsselsheim
Stäbe und Muttern prasseln aufs Laufband
ein Opel gedeiht auch ohne Worte

Zitronenbäume brauchen die Sonne des Winters
er dichtet am laufenden Band

ölige Hände haben Feierabend
Buchstaben prasseln aufs Werksgelände
die Wortfabrik ist nie pleite

Februar 2016

Gedichtsauszug aus „sucht die Wiener"

... ohne Wirbel der Himmel
unter mir grünes Wasser
in ausufernden Kleidern
lümmeln Trauerweiden
am 1. Mai dampften Lieder
kitzelten am Schiffsbauch

am liebsten fahr ich mit der
Elektrischen über die Buckel
und Lücken
ihr Atem steigt ein und aus
im Balkanon der Gassen
sie spricht unasphaltierter
ein schlampigen Walzer ihr Gang ...

Dezember 2015

OFFENBACHER HAFENGESCHICHTEN 
im Umbruch


Vor etwa einem Jahr, als sich die ungleichen Schwestern Offenbach und Frankfurt noch abenteuerliche Hafengeschichten über den Mainbogen zuflüsterten, zierten Rapperplakate und Wodka-Werbungen die Mauerreste vor dem Offenbacher Boxclub. 
Das „Universum“ wurde in eine Bauwiese parzelliert. Vorgebaut haben die Brückenschläger der Stadtschwestern.
Plakate prangen von den hochgezimmerten Fassaden der jungen Hafenstadt. Den Blick vom Balkon ins Hafenbecken vergoldeten Immobilienverwandler. Die Baustelle brummt das Hafenabenteuer 
Ergraut ist nur die Sicht auf den Mainbogen. Ein reales Parkhaus versperrt den Blick. Das Betongewerk soll nun fröhlicher inszeniert werden, externe Kreative wurden dafür angezapft. Rechtzeitig geräumt wurde auch der Hafengarten; die Paradeiserkolonien samt Gärtner sind ausgewandert, die Vielfalt in Paletten gepflanzt und verpackt.
Auf den Goetheplatz, in die Straßenheimat des Offenbacher Rappers sind die Bagger noch nicht vorgedrungen.
Ein paar Jungs kicken. Vanessa, Lavinia und Cosmin sind verschwunden. Die Rasselbande zwischen sechs und zwölf Jahren kam gerne in die Märchenstube ins Nordendquartier. Im Stadtteilbüro erfahre ich, daß die Wohnung der Familie wegen Überbelegung geräumt wurde.
Ob die drei Geschwister auch wegziehen wollten? Hier stand ihnen manche Tür offen. Kräht ein Hahn danach?
Im rumänischen Märchen vom Säckel mit den Goldtalern kräht er.
Der Platz soll bunter werden mit Frischem vom Markt.

ES WIRD GERÄUMT
OFFENBACHER HAFENGARTEN

ein Poet radelt zu den Windbaracken
wo Schafe zwischen Stahl und Bühne grasen
Veilchen und Möhren in Paletten nisten

„die Chansons im Waggon sind befristet”
lärmen die ImmobilienSisters
„es wird geräumt
macht euch auf die nassen Socken”

die Tomaten im Stakkato gepackt
Kürbisriesen posieren vor dem blauen Kran

Stilettos stecken im Acker

Foto: Susanne Mantz

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